Mobbing

Der Begriff Mobbing leitet sich aus dem englischen Wort „Mob“ ab und bedeutet so viel wie „zusammengerotteter Pöbel (Haufen)“ oder „laut über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren“. Psychoterror am Arbeitsplatz. Viele Betroffene, aber auch Vorgesetzte und die Kollegenschaft, stehen oft hilf– und ratlos vor diesem Problem. Mobbing- Betroffene werden gekündigt oder sind durch die langen Quälereien am Arbeitsplatz arbeitsunfähig geworden. Mobbing ist etwas anderes als die „normalen“ täglichen Konflikte und Auseinandersetzungen. Mobbing ist nicht modern und ein Zustand der jetzt erst in diesen Tagen entstand. Das Problem Mobbing gab es schon immer in dieser Arbeitswelt. Mit der Zunahme des Leistungsdruckes sowie dem Konkurrieren auf der Dienststelle, ist es wieder aktuell geworden.

Ursachen von Mobbing

Untersuchungen und Studien belegen, dass es hauptsächlich vier Gründe sind, die für die Entstehung von Mobbing verantwortlich sind. Dabei tritt selten einer der Gründe allein auf. Meistens handelt es sich häufig um eine Mischung aus verschiedenen Gründen.

  • Die Organisation der Arbeit
  • Das Führungsverhalten der Vorgesetzten
  • Die besondere soziale Stellung der Betroffenen
  • Mängel in der Organisation der Arbeit

Häufig entzündet sich der Konflikt, aus dem dann später ein Mobbing – Prozess wird, an arbeitsorganisatorischen Mängeln. Typische Mängel in der Arbeitsorganisation, die als Auslöser für Mobbing wirken können, sind z.B.:

  • unbesetzte Stellen,
  • hoher Zeitdruck,
  • starre Hierarchie mit unsinnigen Anweisungen,
  • hohe Verantwortung bei geringem Handlungsspielraum,
  • geringe Bewertung der Tätigkeit.

Das Führungsverhalten der Vorgesetzten

In einigen Fällen geht Mobbing direkt vom Vorgesetzten aus. Nicht selten ist es leider geradezu Firmenpolitik, Zwietracht unter den Mitarbeitern zu säen und alle, die eine eigene Meinung haben, zu ducken. Gerade wenn Entlassungen anstehen, dulden viele Unternehmen Mobbing unter den Mitarbeitern oder fördern es sogar. Mobbing ist aus der Sicht solcher Unternehmen billiger als ein Sozialplan.

Mobbing von oben ist aber nur ein Teil des Problems. In der Untersuchung von Leymann wurde auch gefragt, von wem die Mobbing- Handlungen ausgehen. Dabei waren die Angreifer:

  • zu 44% Kollegen/innen,
  • zu 37% Vorgesetzte,
  • zu 10% Kollegen und Vorgesetzte und
  • zu 9% Untergebene.

Wenn Mobbing zwischen Kollegen entsteht, ist der Vorgesetzte gefragt. Er hat nicht nur die Weisungsbefugnis, sondern auch eine Fürsorgepflicht für alle seine Mitarbeiter. Ein guter Vorgesetzter wird schnell merken, wenn einzelne Kollegen gemobbt werden, und er wird rechtzeitig eingreifen. Je früher er eingreift, um so besser sind seine Chancen, den Mobbing – Prozess schon im Ansatz zu stoppen.

Die besondere soziale Stellung der Betroffenen

Es kann vorkommen, dass besondere Merkmale einer Person den Mobbing- Prozess auslösen. Das heißt aber keineswegs, dass der von Mobbing Betroffene „selbst schuld“ ist.

Für die Entstehung der Mobbing- Situation kann es ausreichen, dass eine Person in einer bestimmten Gruppe aufgrund ihrer Persönlichkeit, ihres Geschlechts, Hautfarbe, kulturellen oder nationalen Identität in eine sozial herausgehobene Stellung geraten ist. Die gleiche Person kann in einer anderen Gruppe vollkommen akzeptiert und sehr beliebt sein. In Schweden ist festgestellt worden, daß Frauen in typischen Männerberufen, aber auch Männer in typischen Frauenberufen häufig von Mobbing betroffen sind.

Mobbing trifft oft sozial Schwächere; alleinerziehende Mütter beispielsweise oder Behinderte. Eine schwedische Untersuchung wurde in einer sozialen Organisation durchgeführt, die viele Behinderte eingestellt hat, weil der schwedische Staat diese Einstellungen finanziell unterstützt. Es ergab sich, dass 4% der Nicht-Behinderten von Mobbing betroffen waren. Diese Zahl entspricht dem schwedischen Durchschnitt. Von den Behinderten waren allerdings 21,5% von Mobbing betroffen, also mehr als fünfmal soviel.

Anforderungen an die betriebliche Moral

Mobbing- Attacken gegen Kollegen werden nur selten von wirklich bösartigen Menschen geführt. Viel häufiger entwickelt sich ein schleichender Mobbing- Prozess, in dem sich die „Täter“ nur wenig Gedanken über die Auswirkungen ihres Handelns machen. Neben den Personen, die sich bewusst Mobbing- Handlungen ausdenken, die also den Betroffenen gezielt schaden wollen, gibt es auch noch eine Vielzahl von Beteiligten, die Mobbing überhaupt erst möglich machen. Es sind Personen, die aus Unbedachtheit oder Nachlässigkeit am Mobbing teilnehmen oder dem Mobbing zusehen, ohne einzuschreiten.